HB-Ausbildungsfahrt 2016

Gemeinsame Ausbildungsfahrt für angehende Bootsführer der DLRG, des DRK und des ASB

Am 1. Oktober 2016 fand im Südosten Berlins die jährliche gemeinsame Ausbildungsfahrt der Arbeitsgemeinschaft Wasserrettungdienst Berlin statt. Daran nahmen in diesem Jahr 18 Rettungsboote aus ganz Berlin und über 50 auszubildende Bootsführer teil. Außerdem beteiligte sich die Freiwillige Feuerwehr Schmöckwitz mit einem Boot.

Von der ASB-Leitstelle IV in der Köpenicker Wendenschloßstraße geht es nach einem kurzen Theorieteil am frühen Nachmittag zur etwa vier Kilometer entfernten DLRG-Wasserrettungsstation Bammelecke. Auf dem Weg dorthin üben die Teilnehmer auf den zumeist für sie fremden Booten die klassischen Grundfahrmanöver, wie Wenden auf engem Raum, Mann über Bord oder An- und Ablegen. Auf dem langen See stehen dann die ersten der später immer komplexer werdenden Übungen an: Gekenterte Segler und Ruderer oder ermattete Surfer gilt es zu lokalisieren und sicher mit ihrem Material an Land zu bringen. Nach knapp drei Stunden ist der erste Übungsteil vorbei. Alle Mannschaften versammeln sich zur gemeinsamen Nachbesprechung auf der Station Bammelecke. Die Teams werden neu gemischt und wieder auf andere Boote verteilt.

Nächstes Ziel ist der Zeuthener Wall, etwa acht Kilometer auf dem Wasserweg entfernt. Es erfolgen verschiedene Alarmierungen zur Badewiese Schmöckwitz, zum Strandbad Eichwalde und zum Teikyo-Hotel. Leichtverletzte Personen müssen erstversorgt und transportiert werden. Außerdem ist ein Kind zu reanimieren und dessen Eltern zu betreuen. Um kurz vor 20 Uhr ist auch dieser Übungsteil beendet. Auf der ASB-Station Zeuthener See folgt die Nachbesprechung, anschließend gibt es Abendessen vom Grill.

Es ist bereits dunkel, als um 21:30 Uhr die neuen Mannschaften letztmalig andere Boote besetzen. Fahrtziel ist zunächst der Krossinsee. Man trainiert die Materialübergabe von Boot zu Boot während der Fahrt.

Ein Schwimmer wird auf dem Krossinsee vermisst. Die Boote formieren sich zu einer Dwarslinie, um den See abzusuchen. Sie finden den Schwimmer nach einiger Zeit nahe der Wasserskistrecke und nehmen ihn an Bord. Die Übung ist beendet. In Kolonne fahren die Boote durch das Wernsdorfer Fließ und den Oder-Spree-Kanal zum Seddinsee. Die Teilnehmer, die diese Veranstaltung schon einmal besucht haben, wissen, dass hier das „große Finale“ ansteht. Schon bei der Anfahrt auf den See ist nahe der Insel Werderchen ein brennendes Wasserfahrzeug erkennbar, zu dem die beiden großen Stahlrumpfboote P64 und SAMA 43-88-1 alarmiert werden.

Derweil werden alle anderen Boote zur ASB-Station Seddinsee zu einer unklaren Lage alarmiert. Vor Ort ist dichter Rauch zu sehen, es gibt mehrere Knalls, womöglich Schüsse. Der örtliche Einsatzleiter meldet per Funk an die Leitstelle mehrere verletzte Personen. Parallel dazu wird ein Boot zu einer weiteren Einsatzstelle auf der ASB-Station Am Seddinwall gerufen. Vor Ort erkennt der Einsatzleiter zunächst mindestens sieben Personen mit unterschiedlichen Verletzungsgraden. Nach und nach treffen am Seddinwall weitere Kräfte ein, die Lage normalisiert sich langsam und erste Personen werden abtransportiert.

Um kurz vor 2 Uhr am Sonntagmorgen wird die Übung durch Abbruch beendet. Letztmalig erfolgt auf der Station Seddinsee eine umfassende Auswertung des Geleisteten durch die Übungs-Einsatzleiter. Zusammenfassend wird ein positives Fazit vom Verlauf der Übungen gezogen. Dennoch hoffen sicherlich die meisten Teilnehmer, nie in solche bei dieser Übung überspitzt dargestellten Szenarien, verwickelt zu werden. Sollte es irgendwann doch einmal dazu kommen, hat diese Übung sicherlich einen großen Beitrag dazu geleistet, dass die Einsatzkräfte der Wasserrettung mit solchen Belastungen umgehen können.

Eine solche Übung wäre jedoch nichts ohne die vielen Helfer im Hintergrund. 20 Mimen des ASB Wasserrettungsdienst Berlin unterstützten die Übungen in verschiedenen Opfer-Rollen, zumeist in mehrfacher Besetzung. Sie ließen sich bei 15 Grad Außentemperatur bewusst mit ihren Booten kentern und harrten viele Minuten im nur 18 Grad warmen Wasser aus, um sich dann von den Teilnehmern retten zu lassen. Kurz danach verschwinden sie wieder, kentern erneut oder tauchen (Kunst-)blutüberströmt an anderer Stelle wieder im Szenario auf. Auch waren zwei weitere Boote nur damit beschäftigt, die Darsteller zumeist unbemerkt von den Teilnehmern von einer Einsatzstelle zur nächsten zu bringen und die Szenarien vorzubereiten. Ein weiteres Boot dokumentierte die Veranstaltung. Das Fleisch musste rechtzeitig gegrillt werden, die Gastpersonale benötigten Unterkünfte in den Südost-Stationen. Und auch die Einsatzleiter von DLRG und ASB, die alle Übungen koordiniert und den Funkverkehr geleitet haben, mussten gelegentlich starke Nerven zeigen, wenn der Funk mal überkochte.

Allen beteiligten Helfern gilt der Dank der Teilnehmer für die großartige Planung, Vorbereitung und Durchführung dieser Ausbildungsfahrt.

 

Alle Fotos: © ASB Berlin/D. Bauer