FreiwilligenTalk mit Emma Hartmann

Emma Hartmann erzählt im Interview mit Sophie Oliveira Fürch Bundesfreiwilligendienstleistende (BFDlerin) in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des ASB Berlin von ihrem Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) als Betreuerin einer Wohngemeinschaft in Wedding für Menschen mit Behinderung. Sie berichtet von gesammelten Erfahrungen und den typischen Aufgaben, die sie im Alltag zu meistern hat.

Hallo Emma, Danke, dass du da bist! Lass uns direkt mit der ersten Frage starten: Wieso hast du dich dazu entschieden einen Freiwilligendienst zu leisten?

Anfangs war mein Plan ein Au Pair zu machen, allerdings kam Corona mir dazwischen. Da ich nicht sofort studieren wollte, hielt ich es für sinnvoll, mich ehrenamtlich zu engagieren.

Ja, Corona war dieses Jahr ein wichtiger Faktor für die meisten. Woher kam dein Interesse für ein FSJ in der WG für Erwachsene mit geistiger Behinderung und psychischer Erkrankung? Immerhin ist das ein Bereich bei dem die meisten sich eher davor scheuen, sich zu beteiligen.

Seit drei Jahren habe ich den Berufswunsch, in der Betreuung mit geistig Behinderten zu arbeiten, weshalb ich mich in die Richtung informiert habe. Ich kann mir auch vorstellen, mit psychisch kranken Menschen zu arbeiten, weshalb ich durch den Freiwilligendienst die Chance habe, beides kennenzulernen und zu vertiefen.

Inwiefern unterscheidet sich die WG zu einem Pflegeheim für Menschen mit Behinderung?

In einem Pflegeheim gibt es rund um die Uhr Personal, was sich für Menschen mit größerem Unterstützungsbedarf anbietet. Die WG zielt darauf, dass die Mitglieder so eigenständig wie möglich sind und evtl. eines Tages ausziehen und auch alleine leben könnten, während sie im Pflegeheim für immer bleiben.
 
Wie ist dein Verhältnis zu den Mitgliedern der WG? Gab es zu Anfang Schwierigkeiten? Wenn ja, wie habt ihr diese gemeistert?

Anfangs war es für mich besonders schwer, die geistige Behinderung, also die Einschränkung deiner Fähigkeiten, und die Schizophrenie, bei der es sich um eine veränderte Wahrnehmung handelt, zu unterscheiden. Ansonsten ist eine der vier Bewohner/innen etwas launisch, weshalb man sich besonders bemühen muss, mit ihr auf guter Fahrt zu bleiben. Insgesamt verstehe ich mich aber mit allen sehr gut. Bis ich verstanden habe wie jede/r einzelne Bewohner/in tickt, dauerte es jedoch noch ein bisschen. Meine drei Mitarbeiter/innen haben schon darauf hingewiesen, dass es teilweise mehrere Monate dauern kann.

Was sind deine Aufgaben im Alltag? Gibt es Dinge, die dir besonders gut gefallen und Aufgaben, die du weniger magst?

Meine Arbeit gefällt mir sehr gut, sie besteht darin, mit den Bewohnern einkaufen zu gehen, beim Kochen zu helfen, den Nachmittag zu gestalten in Form von Spielen, Filme schauen oder ähnliches. Besonders schön ist es, mit ihnen so simple Sachen zu machen wie UNO zu spielen, die ihnen viel Freude bereiten, und zusammen zu lachen.

Was macht deine Arbeit besonders?

Die Menschen. Es ist einfach schön, den simpleren Dingen, die für uns normal sind, mehr Wertschätzung zu schenken.

Was erhoffst du dir von deinem Freiwilligendienst für die Zukunft mitzunehmen?

Ich möchte auf jeden Fall alles, was ich gelernt habe, mitnehmen. Da ist die praktische Erfahrung, die ich bis Ende des FSJs gesammelt habe, von großem Vorteil. Mein Wunsch ist es, Soziale Arbeit zu studieren und vielleicht in WGs für Menschen mit Behinderung zu arbeiten.

Foto: ASB Berlin / S. Oliveira Fürch