19 Dec

Ehrenamt Aktiv: Ronja Faltis - Jugendvertreterin der Wasserrettung

Der Wasserrettungsdienst des ASB betreibt in Berlin elf Außenstationen und zwei Leitstellen an Tegeler See, Dahme und Spree. Ronja Faltis ist 26 Jahre, gebürtige Berlinerin und ist seit ein paar Monaten Jugendvertreterin der Wasserrettung des ASB Berlin. Für den Verband engagiert sie sich bereits seit 13 Jahren. Hauptberuflich arbeitet die 26-Jährige als Referentin für gewerbliche Immobilienfinanzierung und studiert berufsbegleitend Immobilienökonomie.

Hallo Ronja und herzlichen Glückwunsch zu deinem neuen Amt. Was werden deine hauptsächlichen Aufgabenbereiche als Jugendvertreterin sein?

Danke, ich freue mich sehr darauf. Ich werde in Zukunft Ansprechpartnerin bei Problemen jeder Art und Vertrauensperson unserer jugendlichen Wasserretter sein. Neben dieser neuen Verantwortung bin ich aber weiterhin auch Stationsleiterin unserer ASB Wasserrettungsstation (WRS) am Krossinsee. Als Einsatzleiterin vor Ort werde ich während der Saison von Anfang April bis Ende Oktober weiterhin die meisten Wochenenden auf der Station verbringen. Eine Saison mit bis zu 1000 Stunden im Dienst ist da keine Seltenheit. Bei dem ASB Regionalverband Berlin-Nordost bin ich zusätzlich stellvertretende Regionaljugendvorstandsvorsitzende.

Welche Art von Einsätzen kommen deiner Erfahrung nach in der Wasserrettung am häufigsten vor?

Puh, das ist schwer einzuschränken auf Grund der Vielseitigkeit.
Schwerpunkte auf den Stationen im Oder-Spree Bereich sind auf alle Fälle Bootsunfälle, Badeunfälle, gekenterte Segler oder Vermisstenbergungen. Auf Grund der führerscheinfreien Bedienung von Booten bis 15 PS, kommt es durch Unerfahrenheit vermehrt zu Unfällen mit Sach- und Personenschäden. Bootsbrände durch Kurzschlüsse oder auch Brandstiftungen sind kein Ding der Unmöglichkeit mehr. Auch Überhitzungen, Herzinfarkte sowie diverse Badeunfälle sind während der Sommersaison Teil unserer Herausforderungen, an denen wir stetig wachsen.
Wichtig hier sind unsere ausgebildeten Bootsführer, die eine jahrelange Ausbildung und viel Erfahrung mit sich bringen. Die Ausbildung erfolgt auf den einzelnen Stationen und verlangt viel Wissen, Einfühlungsvermögen, technisches Verständnis und Disziplin ab.

Was machen die Wasserretter während der Saisonpause im Winter?  

Wir haben auch in den Wintermonaten immer etwas zu tun. Denn wir kümmern uns um unsere Boote und unser Material in kompletter Eigenregie. Das heißt, wir nutzen die Wintermonate für Wartungen und Reparaturen jeglicher Art. Unter unseren Wasserrettern gibt es zum Glück etliche Ingenieure, Mechaniker und handwerklich sehr begabte Kollegen. Sie geben ihr Wissen gerne an andere weiter.

Warum engagierst Du dich für die Wasserrettung?

Ich würde meine ehrenamtliche Tätigkeit beim ASB als die „Balance“ bei dem Konstrukt der „Work-Life-Balance“ bezeichnen. Viele meiner engsten Freunde engagieren sich ebenfalls im Wasserrettungsdienst. Ich habe sogar meinen Verlobten hier kennengelernt. Meine Motivation dahinter ist ganz klar auch, dass das Ehrenamt am Leben bleibt. Ich bin seit so vielen Jahren dabei, dass ich den Wasserrettungsdienst als meine zweite Familie bezeichnen würde. Außerdem ist es ein unbeschreibliches Gefühl, wenn man einem Menschen hilft.

Wie bist Du dazu gekommen?

Zur Wasserrettung bin ich durch das Trainingslager auf der WRS am Krossinsee gekommen, an dem ich selbst als Jugendliche teilgenommen habe. Die Trainingslager finden jeden Sommer für eine Woche auf mehreren Stationen parallel statt.  

Gibt es Projekte bei der Wasserrettung, die dir besonders am Herzen liegen?

Auch hier würde ich sofort unsere Trainingslager für den Nachwuchs nennen. Eben weil ich einen sehr persönlichen Bezug dazu habe und sie wahnsinnig viel Spaß machen. Ich selbst bin Betreuerin, seitdem ich 18 Jahre alt bin und obwohl es jedes Jahr sehr anstrengend und mit wenig Schlaf verbunden ist, freuen wir uns immer wieder auf das folgende Jahr. Mit „WIR“ meine ich eine mittlerweile fest eingeschweißte Truppe an Betreuern, auf die ich mich absolut verlassen kann.

Welches waren deine bisherigen Highlights?

Oh, da gibt es eine Menge. Ich habe mich wahnsinnig gefreut, dass ich mit gerade einmal 23 Jahren zur Stationsleiterin gewählt wurde. Unsere Wettkämpfe machen immer großen Spaß. Und allen voran erlebe ich jedes Mal wieder, wie sehr man von seinen Kollegen in der Wasserrettung aufgefangen wird, vor allem nach schwierigen Einsätzen.

Was wünschst Du dir für den ASB Berlin?

Ich wünsche mir, dass die Wasserrettung des ASB von der Öffentlichkeit noch deutlicher wahrgenommen wird und stärkere Beachtung findet. Vielen Berlinerinnen und Berlinern ist nicht bewusst, dass der Wasserrettungsdienst in Berlin rein ehrenamtlich organisiert ist.
Leider kommt es mittlerweile vermehrt zu Behinderungen während unserer Einsätze. Anwohner fühlen sich belästigt, da unsere Boote bei Einsatzfahrten zum Teil sehr laut sind und Wellen schlagen. Nicht selten kommt es hier auch zu Beschimpfungen. Wir sollten die Bevölkerung noch stärker dafür sensibilisieren, warum wir da sind und was genau unsere Aufgaben ist. Denn wir wollen nur helfen.

 

Herzlichen Dank für das Gespräch. Wir wünsche Dir alles Gute für das neue Amt!

Foto: ASB Berlin