Die Arbeiter-Samariter-Jugend ist zurück - Im Gespräch mit dem Vorstand Tom Zeuge
Tom Zeuge wurde in diesem Jahr zum Vorstand der neu gegründeten ASJ gewählt. Im Interview erzählt er, wie er zum ASB kam und welche Ziele er in seinem neuen Amt verwirklichen möchte.

Hallo Tom, würdest Du Dich kurz vorstellen?
Ja, gerne. Ich bin Tom Zeuge, 18 Jahre alt, und wurde dieses Frühjahr zum Landesjugendleiter gewählt. Dieses Jahr haben sich alle Regionaljugenden neu gegründet; auf dieser Grundlage haben wir die Landesjugend initiiert und gegründet.
Aktuell mache ich mein Abitur, vor einigen Tagen hatte ich meine letzten Prüfungen. Neben der Schule bin ich ehrenamtlich in der Schülerunion aktiv und dort seit zwei Jahren Landesgeschäftsführer. Hier fokussieren wir uns auf die Anliegen von Schülerinnen und Schülern. Vor der elften Klasse habe ich außerdem zwei Jahre im Bundestag bei einem Abgeordneten gearbeitet, bei dem ich nach meinem Praktikum noch als Minijobber geblieben bin.
Hast Du schon Pläne, was Du nach dem Abi machst?
Ich möchte in Berlin bleiben. Ich bin ja mit einer Amtszeit von vier Jahren angetreten. Ich würde gerne an die Humboldt-Uni- die ist näher an meinem Wohnort in Pankow als die FU- und dort ab Oktober Betriebswirtschaftslehre studieren. Und zwischendrin vielleicht zwei Auslandssemester einlegen.
Wie bist Du zum ASB gekommen?
Ich bin seit 2018 beim ASB dabei. Am Anfang war ich nur da, um Rettungsschwimmen zu lernen. Daraufhin habe ich angefangen, Schwimmunterricht zu geben – das mache ich nun bestimmt schon vier Jahre. Als ich dann meinen SHL gemacht hatte, begann ich zudem mit Sanitätsdiensten.
Dann hat sich in meinem Regionalverband die Arbeiter-Samariter-Jugend gegründet. Ich bin in den Vorstand gekommen und bin seitdem dort Schatzmeister. Anschließend haben wir zusammen mit den anderen Regionalverbänden die Landesjugend aufgebaut, wofür ich mich habe aufstellen lassen. Wichtig war uns dabei, dass jeder Regionalverband im Vorstand vertreten ist.
Wie viele Leute seid Ihr im Vorstand?
Wir sind zu siebt. In dieser Konstellation sind wir ganz neu zusammengekommen und kannten uns vorher fast alle noch gar nicht. Aber ich denke, wir verstehen uns untereinander sehr gut. Wir hatten zum Teil schon vor der Wahl an Ideen und Plänen für die Landesjugend zusammengearbeitet. Dadurch ist man eigentlich schon zu einem guten Team geworden. Wir haben jetzt alle zwei Wochen eine Vorstandssitzung.
Welche konkreten Pläne habt Ihr für die Arbeiter-Samariter-Jugend?
Bei uns geht es als Erstes um Strukturen und die Frage, wie unsere eigene Arbeit aufgebaut ist. Erst wenn wir wissen, wie wir uns selbst organisieren, können wir anfangen, etwas Externes zu organisieren.
Wir haben aber jetzt schon erste Arbeitsgruppen gegründet, einen Geschäftsverteilungsplan aufgestellt und uns eine Geschäftsordnung erstellt. Außerdem haben wir bereits gemeinsam Richtlinien zum Organisieren von Veranstaltungen erarbeitet, ebenso Einverständniserklärungen für Fotos und Videos etc.
Das Zweite ist die Frage, was die Landesjugend und was die Regionaljugenden machen. Die Regionaljugenden sind quasi die Mitgliedsstaaten der Europäischen Union, und wir sind die Europäische Union. Wir als Landesjugend haben keine eigenen Mitglieder. Wir wollen sozusagen ein Ermöglicher sein. Wir können niemandem etwas vorschreiben, aber wir können Angebote machen, die Projekte der Regionaljugenden unterstützen und – wo es möglich ist – finanzielle Mittel bereitstellen. Außerdem können wir helfen, Richtlinien zu erstellen. Unser Ziel ist es, eine unterstützende und ermöglichende Organisation zu sein.
Eine weitere Aufgabe wird es sein, Veranstaltungen zu organisieren, die quasi nur die Landesjugend machen kann, zum Beispiel Landesjugendwettbewerbe, Ferienfahrten, Juleica-Ausbildungen oder Erste Hilfe für Kinder. Dafür bekommen wir sehr viele Anfragen und ich würde das Angebot sehr gerne wiederbeleben.
Und natürlich sind Öffentlichkeitsarbeit und Mitgliedergewinnung wichtige Ziele. So sind wir in diesem Jahr unterstützend auf dem Lesbisch-schwulen Stadtfest mit dabei. Ein wichtiges Thema ist außerdem der Kinder- und Jugendschutz. Es gibt ja das Wachsam-Projekt der ASJ Deutschland. Das wollen wir jetzt ausweiten und unterstützen, um eine gute und sichere Atmosphäre für alle zu schaffen.
Unser übergeordnetes Ziel ist quasi die Ausbildung der Einsatzkräfte von morgen. Wir haben ca. 7000 ASJ-Mitglieder, denn jeder, der unter 27 ist, ist ASJ-Mitglied. Das sind 7000 potenziell engagierte Mitglieder, aber nur ein paar Hundert von ihnen sind wirklich aktiv. Das wollen wir ändern und sie stärker in den ASB und auch in die ASJ einbinden. Wir können diese Landesjugend nicht zu siebt alleine organisieren. Man braucht einfach mehr Leute.
Was motiviert Dich am meisten?
Wieder eine ASJ aufzubauen. Als ich noch jünger war, gab es im ASB nur das Rettungsschwimmen. Ich habe nie etwas außerhalb des Wasserrettungsdienstes gemacht und nie etwas von einer ASJ gehört. Das soll ja nicht so sein. Ziel soll sein, unsere jungen Mitglieder als engagierte Mitglieder heranzuziehen.
Mir geht es darum, jetzt das aufzubauen, was wir viele Jahre lang nicht hatten, und nachhaltige Strukturen zu schaffen. Dieser Zerfall der ASJ ist schrecklich und wir sind nicht das einzige Bundesland, das damit zu kämpfen hat.
Ich bin jetzt so lange beim ASB, dass der Verein und ich quasi schon eins sind. Man identifiziert sich natürlich stark mit dem Verein, wenn man so viel macht und natürlich auch so viel zurückbekommt. Ich habe hier zum Beispiel meinen SHL, meinen SDL und meinen Funkschein gemacht. Man lernt einfach unglaublich viel. Das ist etwas, das einen wirklich antreibt.
Man lernt aber auch ganz viel über Jugendarbeit, Organisation und darüber, wie man mit Menschen umgeht und gut kommuniziert – und das über Alters- und Sozialklassen hinweg.
Hast Du noch etwas, das Dir wichtig ist?
Wir freuen uns über jeden, der sich gerne in der ASJ engagieren möchte. Und natürlich kann sich jeder, der mit uns reden will, jederzeit gerne bei uns melden. Wir freuen uns über jede Kooperation, jede Anregung und jede Frage.
Welche Voraussetzungen braucht man, um sich bei Euch zu engagieren?
Man muss ASB-Mitglied sein, unter 27 Jahre alt sein und Lust haben.
Vielen Dank für das Gespräch und alles Gute für Dein neues Amt!
