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Verschüttet unter zwei Metern Schnee: Berliner Rettungshunde trainieren den Ernstfall auf dem Dachstein

Acht Tage intensives Training, eisige Temperaturen und meterhoher Schnee: Im Februar 2026 reisten sechs Rettungshundeteams des Arbeiter-Samariter-Bund Berlins in die österreichischen Alpen, um auf dem Dachstein-Gletscher ein besonderes Ausbildungstraining zu absolvieren. Auf über 2.700 Metern Höhe trainierten drei Labradore, zwei Malinois und ein Dackel gemeinsam mit ihren Hundeführer:innen unter realistischen Bedingungen die Suche nach verschütteten Personen im Schnee.

Training auf dem Gletscher – jeden Tag über sieben Stunden
Der Trainingsalltag begann früh: Mit der Gletscherbahn ging es jeden Morgen gegen 8 Uhr morgens hinauf auf den Dachstein. Dort warteten bereits die nächsten Aufgaben. Die Teams legten selbst sogenannte Schneehöhlen bis zu zwei Meter tief im Schnee an und präparierten sie für die Suchübungen. „Wir haben jeden Tag unsere eigenen Höhlen gebaut und uns später selbst darin verschütten lassen“, berichtet Detlef Kühn – der Trainingsleiter. „Das macht einem sehr bewusst, wie real diese Situation sein kann.“
In diesen Höhlen lagen später die Helfer, die von den Rettungshunden aufgespürt werden mussten. Trotz Wind, Nebel oder Sonnenschein arbeiteten die Teams täglich mehr als sieben Stunden im Gelände. Die Temperaturen lagen meist zwischen minus fünf und minus zehn Grad, zeitweise blies der Wind mit Stärke sieben über den Gletscher. Die Hunde brauchten meist nur wenige Minuten, um eine verschüttete Person zu lokalisieren. Anschließend trainierten die Teams gemeinsam die schnelle und koordinierte Bergung.

Anzeigen, Eindringen und Suche mit Technik
Im Mittelpunkt des Trainings stand die präzise Suche und Anzeige der Fundstelle durch den Hund. Gleichzeitig wurde das sogenannte Eindringe-Verhalten trainiert: Die Hunde lernen, sich auch durch schwierigen Schnee oder Eis gezielt zur Geruchsquelle vorzuarbeiten. Neben der Arbeit mit den Hunden übten die Hundeführer:innen auch den Einsatz technischer Ausrüstung. Zum Training gehörten Lawinenverschüttetensuchgeräte, Lawinensonden und verschiedene Schaufeltaktiken. Alle Teilnehmenden übten das sichere Sondieren sowie koordinierte Bergungsabläufe im Team.
Ein weiterer wichtiger Bestandteil war die Eigensicherung und Einsatztaktik im alpinen Gelände. Auch theoretische Inhalte wie Wetterkunde, Schneedeckenaufbau und Lawinenlage standen auf dem Programm.

Vertrauen unter zwei Metern Schnee
Eine besonders eindrückliche Erfahrung war für viele Teilnehmende, selbst Teil der Übung zu sein. Wer als Helfer in einer der Höhlen lag, spürte unmittelbar, wie sich eine Verschüttung anfühlen kann: Zwei Meter Schnee und Eis über dem Körper, kaum Geräusche von außen – alles wirkt gedämpft und isoliert. „Wenn du dort unten liegst, hörst du fast nichts mehr. Die Außenwelt ist plötzlich weit weg“, beschreibt Roland Z. - ein Teilnehmer die Situation. „In diesem Moment wird dir bewusst, wie viel Vertrauen du in unsere Hunde und die Rettungshunde-Teams haben musst.“ In dieser Situation zählt jedes Detail: Der Hund muss den Geruch durch den Schnee wahrnehmen, die Fundstelle präzise anzeigen und das Team schnell mit der Bergung beginnen.

Jeder Hund arbeitet mit vollem Einsatz
Besonders beeindruckend war für viele Teilnehmende die Motivation der Hunde. Egal ob die kraftvollen Malinois, die lauffreudigen Labradore oder der deutlich kleinere Dackel, alle entwickelten selbst im Tiefschnee einen enormen Suchtrieb und arbeiteten mit großer Energie. „Es war faszinierend zu sehen, wie unterschiedlich die Hunde sind und wie ähnlich ihr Arbeitswille“, sagt Jule U. - eine Hundeführerin. „Selbst unser Dackel hat sich mit unglaublicher Energie durch den Tiefschnee gearbeitet.“
Für drei Hunde war es das erste Lawinentraining überhaupt, drei weitere hatten bereits Erfahrung aus einem früheren Training in Österreich. Für alle Teams war es eine intensive Woche voller neuer Eindrücke und wertvoller Erfahrungen für den späteren Einsatz

Warum Lawinentraining auch in Berlin wichtig ist
Auch wenn Lawinen in Berlin eher unwahrscheinlich sind, bringt dieses Training einen wichtigen Mehrwert für die Rettungshundearbeit der Staffel. Die Hunde lernen, Gerüche unter unterschiedlichen Medien wie Schnee, Eis, Wind und wechselnden Luftströmungen zu verfolgen. Dieses Training verbessert insbesondere das sogenannte Eindringe-Verhalten, welches eine entscheidende Fähigkeit bei der Suche nach verschütteten Personen in Trümmern ist.
Auch für die Flächensuche profitieren die Teams: Ein Rettungshund muss dort häufig große Areale von 40.000 Quadratmetern systematisch absuchen, oft ohne sichtbare Hinweise auf vermisste Personen. Gleichzeitig muss der Hund unter Kontrolle seines Hundeführers arbeiten und auf Distanz gelenkt werden. Das Training auf dem Gletscher hilft den Teams daher, auch unter schwierigen Bedingungen ruhig, präzise und effektiv zusammenzuarbeiten.

Dank für Unterstützung
Ein besonderer Dank gilt den Planai-Hochwurzen-Bahnen für die freundliche Unterstützung vor Ort, unter anderem durch Transportmöglichkeiten mit Schneemobilen und die tägliche Auffahrt mit den Gletscherbahn.
Ebenso bedanken sich die Rettungshundeteams bei allen Mitgliedern des ASB Berlins. Durch ihre Unterstützung ermöglichen sie diese aufwendige Ausbildung und tragen dazu bei, dass die Rettungshundestaffel jederzeit einsatzbereit ist. Allein in den ersten Wochen des Jahres 2026 hatte die Rettungshundestaffel des ASB Berlins bereits vier Einsätze.

Unterstützen Sie unsere Arbeit: Werden Sie ASB-Mitglied und fördern Sie dauerhaft den Bevölkerungsschutz in Berlin.

 

Bilder: Rettungshundestaffel ASB Berlin

Ansprechpartner: Detlef Kühn
Fachdienstleiter Rettungshundestaffel des ASB Berlin/ / Vorstand ASB Landesverband Berlin e.V.